Niagara Falls – Canada – Detroit

WESTWAERTS   1. Woche (01.-06.05.)

Der Nebel lichtete sich an diesem Montagmorgen das erste Mal und gab einen umwerfenden Blick auf den Lake Champlain frei. Tja, 2 gute Dinge die da zusammenkamen: kein April mehr und Tag der Arbeit. Mit den ersten Sonnenstrahlen seit ein paar Tagen ging es für uns Richtung Niagara Falls. Der Abschied fiel gar nicht so leicht und so machten wir uns gegen Mittag über die großen Inseln und kleine Straßen auf den Weg nach Westen. Nach Chateaugay und Ellenburg landeten wir perfekt zum rosaroten Sonnenuntergang an einem Anglerplatz versteckt am Oswegatchie River. Papas Frust über die verspätete Abfahrt löste sich als wir uns abends zusammensetzten und über unsere Vorstellungen und Gefühle redeten. Unter der einen oder anderen Träne versteht sich. Guter Dinge und mit dickem Mandelmilchmüsli im Bauch ging es am nächsten Morgen immer an der Küste des Lake Ontario entlang. In Olcott traten wir die Parkbremse und genossen den nächsten schönen Sonnenuntergang. Durch das ständige Fahren und Sitzen fühlt man sich etwas eingerostet. Also was machen? Joggen! Der See war noch viel zu kalt zum Baden und so wurde sich nach der morgendlichen Runde erstmal im WoMo abgeduscht. Was ein Luxus so unabhängig zu sein. Fast bei den größten, einzigartigsten und krassesten Wasserfällen angekommen kracht es nochmal und kurz danach fängt es auch noch an zu regnen. Wir schlenderten über Goat Island und Luna Island auf der amerikanischen Seite entlang und blickten mehrmals die 176 Feet (~54m) hinab. Zerstäubtes Wasser lag in der Luft und erschwerte oft die Sicht. In der touristischen aber menschenleeren Stadt Niagara Falls suchten wir noch hektisch nach einer Tankstelle um den hungrigen Bobby mit Benzin und Propangas zu füttern. Wir hatten dann auch Hunger und dinierten dekadent am Whirlpool Becken des Niagara Flusses. Wieder sehr schöner Sonnenuntergang. Wir lieben Sonnenuntergänge. Dort konnten wir aber nicht übernachten und fuhren noch auf die kanadische Seite rüber um am Ufer des Lake Erie weiter zu fahren. Beleuchteter Wasserfall bei Nacht wurde uns versprochen aber die Scheinwerfer kamen durch den dicken Nebel kaum durch. Dafür war die Stadtkulisse durch die vielen blinkenden Casinos und Hotels umso spannender. Wir parkten inkognito in der Nähe und schliefen mit den tiefen Bässen und dem Rauschen des Wassers ein. In aller Frühe erhaschten wir nochmal einen weniger vernebelten Blick auf die Horseshoe Falls. Von oben schaut das Wasser aus wie Gelatine die mit 50km/h die Klippe hinunterstürzt, irgendwie merkwürdig. Gegen 7Uhr fuhren wir die Küste vom Eriesee entlang durch (immer noch) dichten Nebel. Die Silhouette von Buffalo war noch auf der anderen Seite erahnbar da verspeisten wir schon die ersten Cini-Minis aus unseren Müslischalen. Gestärkt und mit vollen Bäuchen fuhren wir den „Waterway Trail“ immer die Küste entlang. Das rumpelte und klapperte aber wie wir es noch nicht gewohnt waren. Manchmal sind die Straßen so schlecht, dass es hinten regelrecht laut wird. Selbst auf manchen Interstates ist die Straße so kaputt, da kann man denken man ist in Afghanistan. Oder Russland.  USA erinnert sowieso sehr oft an Russland, nur mit mehr Pickups und weniger Homophobie. Alles protzig und trotzdem abgefuckt. Kontraste eben. Naja jedenfalls tuckerten wir bis Port Dover und parkten Bobby direkt am Strand. Kleiner Spaziergang durch das süße Örtchen. Windig war es und als wir wieder am Auto waren wurden wir alle mit Sand vom Strand eingedeckt. Der war jetzt in jeder Ritze! Aber weil Essen uns so wichtig ist, gab‘s erstmal Toastsandwiches im Sandsturm. Weiter die Küste entlang wurde der Weg eher zur Schotterpiste. Hmpf. Leider zeigt die Handykarte keinen Zustand der Straße an. Es dämmerte bereits während wir versuchten zwischen den ganzen Private Property Schildern einen Blick auf den See zu erhaschen. Endlich fanden wir auch einen öffentlichen Grünstreifen und hielten. Direkt kam ein Kanadier an und meinte, dass wir dort nicht stehen bleiben können. Als wir meinten, dass wir aus Deutschland kommen umarmte er uns direkt. Seine Tochter lebt nämlich in München. Wir durften bleiben und Mike bereitete uns ein Lagerfeuer am Strand vor. Wir kochten Pasta und aßen am Feuer vor – na wer kanns erraten? – genau, einem Sonnenuntergang. Es gab wieder Wein aus dem letzten Jahrhundert und eine sternenklare Nacht. Wirklich traumhaft. Gute Nacht alsbald, denn für den nächsten Morgen stand auf dem Plan: Detroit!

Die Sonne kitzelte unsere Gesichter. Bestimmt noch sehr früh. Aufgestanden und quasi auf den Strand gefallen. Nagut, kurz nach 8 und Papa war schon seit 2h am Werke. Erstmal joggen! Sehr steinig der Strand aber wir härteten uns barfuß ab. Nach einem Workout und der Yogasession waren wir platt und wuschen uns noch im eiskalten Nass. Dann wahlweise Kaffee, Tee oder warmes Wasser und Müsli zum Frühstück. Beste. Martin fuhr dieses Mal die Vormittagstour. Wieder Küste, entlang typischer Einfamilienhäuser. Picknick in Amherstburg. Paul hatte sich einen Plan für Detroit gemacht. Also erstmal durch die Grenzkontrolle und ab auf Belle Isle Park. Die Skyline war nicht so beeindruckend wie Manhattan, aber hatte ihren eigenen Stil irgendwie. Menschen aus allen Ethnien verbrachten anscheinend ihren Samstagnachmittag dort, es war proppevoll auf der Insel. Wir kochten Reis mit Scheiß(Zucchini-Erdnuss-Soße) und aßen vor dem (naaah?) Sonnenuntergang auf der Wiese. Nächster Halt: Detroit Club Life! Wir parkten in einer Nebenstraße und liefen mit Chardonnay in der Papiertüte zur Diskothek. Dank Internet standen wir auf der Gästeliste. Kaum was los kurz vor 23Uhr. 2 Floors in Industrieoptik, erinnerte mich an das IfZ. Der DJ thronte auf einer Boxenwand. So weit so gut. Was neu war: Neben ihm malte ein Typ mit schnellen Pinselstrichen auf kleine Leinwände. Seine „Gemälde“ wurden dann direkt im Neonlicht ausgestellt. Na ok. Kippen gab‘s für 10€ die Packung aus dem Snackautomaten und neben der Bar stand ein Bargeldautomat. Es lief Tech-House und die Leute waren großteils weiß, sehr ungewohnt für das Stadtbild von Detroit. Wir tanzten uns durch die Nacht und trafen verrückte Leute. Nächster Morgen: Frühstück im Detroit One Coney Island, einem original amerikanischen Diner. Pancakes, crumbled eggs oder PBJ-Toast je nach Belieben gab es zum in-sich-hinein-schieben. Weiter zum Museum Of Contemporary Arts. Dort gab’s Wi-Fi und eine Ausstellung über Tom of Finland. Interessant. Spannender war jedoch eine Kunstinstallation über 3 Häuserblocks, das Heidelberg Project. Aus gefundenen Gegenständen kreiert dort ein Künstler seit 30 Jahren Skulpturen. Zwischen durch wurde es mehrmals plattgemacht aber Tyron ist ein Stehaufmännchen und wird mittlerweile von der Stadt gefördert. Letzte Stopps: Eastern Market und das Technomuseum Submerge. Leider geschlossen. Insgesamt eine sehr lebhafte Stadt mit ungefähr so vielen Einwohnern wie Leipzig aber riesig in der Fläche. Ewig lange und 3-spurige Straßen mit Schlaglöchern werden von wenigen Autos befahren. In Detroit haben so viele Leute wie nirgendwo in den Staaten kein Auto (ca. 25%). An manchen Stellen merkt man den Aufschwung der letzten 3 Jahre und Anzeichen von Gentrifizierung aber sonst hat die Stadt ein Flair des Verlorenen und vielviel Freiraum. Da muss ich nochmal hin.

[P]


english abstract

first week to the west (01.-06.05.)

The foggy weather started to change to a sunny and friendly warm climate. Finally.  May is here and the International day of labor too. We felt like we would leave a part of us at Lake Champlain (thanks to beloved Karin out there) but we better get back on the road to our next destination: Niagara Falls. Having a good time during the scenic drives over the grand island and along the southern shore of Lake Ontario we stayed on small coastal parks overnight. It still gets pretty chilly when there’s no sun out. When we are staying close to the shore overnight we established a new morning routine: Going for a run on the beach. New because I never went jogging on a regular basis back in Germany. Should have something to do with the lack of sport activities here. Sitting, driving and eating are things we do daily. Is this the American lifestyle which we already internalized? Probably yes and maybe not because we decided to go on a 9000 miles ride from east to west coast for gods sake. Within 90 days. But yeah, Niagara Falls. Tremendously big, merely astonishing and greatest of the greatest of all water falls on earth. Yes, they we’re huge. They made an impression. But still it’s only water flowing crushing more water from 176ft height down. We had perfect views from the American border and the Canadian border too. We decided to go to Canada late in the evening, because there was supposed to be a light show to shine on the falls. In the end nothing to see but mist. On the next morning we kept going further on the northern shore of Lake Erie. Still foggy but we could guess the skyline of Buffalo. In Canada the landscape and the houses did not change at all. Except the flags in front of the houses. We slept almost on the beach because we finally found a part of the lake not being private property. Bonfire, Pasta and old Wine. This is why you go travelling. Even with a clear night sky and loads of stars!

We kept on hitting the road the next morning. After running at the beach and a huge bowl of oatmeal of course. Next stop: Detroit! El Papo loves coastal and scenic drives so we stayed close to the lakeside until we got to the Ambassador Bridge which brought us directly into the heart of the city: Detroit downtown. We wanted to have a good view on the skyline so we drove over to Belle Isle Park and enjoyed the view as well as the livable atmosphere of the city from a certain distance. Detroit offered us a lot: We went clubbing, were eating in at a typical American diner, visiting art exhibitions (indoors and outdoors) and walked through the streets and drove through the districts. Remarkable city somehow.

[P]

0 Kommentare